The Leftwing Brass-Streetmusic-Movement in West-Germany

Das ist sie:

BRD: 1 IG Blech Berlin 2 Dreizahn atü Berlin 3 Blasphemie Bielefeld 4 Lauter Blech Bremen 5 Oh Schreck blas nach Bremen 6 Atemgold 09 Dortmund 7 Zapfenfrei Blasen Essen 8 sog. Linksradikales Blasorchester Frankfurt 9 Blechschaden Freiburg 10 Rote Note Freiburg 11 Tuten und Blasen Hamburg 12 Das Lumophon Hamburg 13 Heiße Luft Hannover 14 Dicke Luft Köln 15 BKA Konstanz Konstanz 16 Hysterische Saxophone Maintal 17 Pusteblume Münster 18 Crescendo Münster Münster 19 Oldenburg Syndrom Oldenburg 20 Trotzblech Tübingen/Reutlingen 21 Vorleifige Blosbälger Ulm 22 Querstand Witten
Ausland: 23 de onderste Stehen Leiderdorp/NL 24 Dorfmusi Züri Zürich 25 Fabulous Dirt Sisters Nottingham 26 Fallout Marching Band London 27 I Filharmonici di Compignano Compignano 28 Le clique haut risque Lausanne 29 Mandragore/Sortie Sud Montferrier 30 Nord Holland Straatorkester Amsterdam 31 Senza Nomine Mezzolombardo 32 Sheffield Street Band Sheffield 33 Sicherheitsorchester Basel 34 Tomass Tthczkiewcs Warschau

Lasst Bilder sprechen!

1973: wie alles anfing - Die Rote Note Freiburg am 1. Mai

1976: es formierte sich die Dicke Luft in Köln (gibt es heute noch): Homepage.
"Die DICKE LUFT, seit 1978 Köln’s einzig wahres Blasorchester, hat ihre musikalischen Wurzeln in der ‚Neuen Blasmusikbewegung‘ der 70er Jahre: das Standbein im politischen Engagement und das Spielbein in der Straßenmusik. In Abgrenzung zur traditionellen Blech- Blasmusik entwickelte sich eine Vielfalt unterschiedlicher Musikstile und Ausdrucksformen, deren Kompositionen und Arrangements vorwiegend von Bandmitgliedern stammen. Diese haben gewechselt und neue Schwerpunkte gesetzt; geblieben ist der gleichermaßen witzige, nachdenkliche oder auch respektlose Umgang mit Kompositionen aller Art. Die DICKE LUFT ist noch eine marching-band, das Repertoire hat sich jedoch längst erweitert: jazz, rock und Weltmusik, auch Klassik und Improvisationen gehören zum Abend- und Bühnenfüllenden Programm.""

... und das sog. Linksradikale Blasorchester, das sich 1981 auflöste auf Wikipedia

...und Tuten und Blasen in Hamburg (gibt es heute noch): Homepage.
"Seit 50 Jahren macht Tuten und Blasen Musik: auf Straßen und Plätzen, in Zelten und Konzertsälen - und seit 1989 auch im Kino zu Stummfilmen aus den 20er Jahren. In den Anfängen war es das Raue, Laute, Schräge und Unverhoffte, das die Musik von Tuten & Blasen auszeichnete. Ganz abgelegt hat die Gruppe diese Kennzeichen noch immer nicht, aber reduziert und verfeinert. Heute ist ihre Musik eine ganz eigene Mischung aus Jazz-, Afro- und Latin-Elementen. Volle, warme Bläsersätze von David Byrne, polyrhythmische "Funeral Music" der Ewe aus Ghana, perkussive Samba- und Afoxéklänge aus Brasilien und die afrikanisch inspirierten Kompositionen von Hans Schneidermann bestimmen das Programm der Band.""

...und IG Blech in Berlin (gibt es heute noch): Homepage.
"IG Blech Berlin – entstanden vor 50 40 Jahren aus einem heftigen Zusammenprall von Rumpel-Jazz, Posaunenchor und Studentenbewegung ist heute ein Dutzend Musiker/innen starkes Aktionsorchester an Blas- und Perkussionsinstrumenten von der Piccoloflöte über Klarinette, Saxofone, Trompeten, Posaunen, Tuba bis zur Snare-Drum und Surdo. Bei Demos und Konzerten, auf der Straße, in fliegenden und in festen Bauten demonstriert IG Blech, dass eine Blaskapelle jenseits von Marschmusik und Volkstümelei das Zeug zur federnden brasilianischen Samba, zum erdigen afrikanischen Groove, zum sonnendurchtränkten Calypso, zum treibenden Funk, zur fröhlich-melancholischen Klezmer-Musik, zum feurigen mazedonischen Cocek, zur rasenden neapolitanischen Tarantella und zum rebellischen algerischen Rai hat."

1978 entstand das Oldenburg Syndrom und löste sich 1986 auf.
"Das Spielen im Syndrom ist für viele angesichts des Sinnverlustes vieler politischer Bewegungen und Aktivitäten ein noch verbliebener Gewohnheitsrest politischer Tätigkeit. Ineressanterweise sind die Motive aller Mitspielenden politischer Art, was auch damit zu tun hat, dass wir alle Musiker*innen sind, die noch außerhalb des Syndroms uns musikalisch selbstverwirklichen."

1981 kam Lauter Blech in Bremen dazu (gibt es heute noch): Homepage.
"Lauter Blech widmet sich der kollektiven Produktion und Wiedergabe schräger Klänge. Jenseits von traditioneller Blasmusik und volkstümelnden Melodien, stilistisch ohne Berührungsängste, passt Lauter Blech unterschiedlichste Musiken seinem unnachahmlichen Sound und den jeweils aktuellen Anlässen an. Immer versehen mit einer gehörigen Portion Selbstironie und dem Hang zu musikalischen Stolpersteinen. Ob Klezmer oder Klassik, Weill oder Westbrook, Eisler oder Satie, Filmmusik oder Trauermarsch, ob im Gehen, Stehen, Sitzen, Laufen oder Liegen: Lauter Blech agiert bläserisch und percussiv absolut unerschrocken in Bahnhofshallen, Schwimmbädern, Paternostern, Parks und Kirchen, auf Schrottplätzen, Theaterbühnen, Schiffen und Lastwagen, auf Rolltreppen und Demonstrationen. Dabei macht die 15köpfige Band auch vor Konzertbühnen und zeitgenössischer Musik nicht halt.""

"Atemgold 09" (Dortmund) wurde 1982 gegründet und existiert auch heute noch: Homepage.
"Es wurde die Formation der Marching Bands aus New Orleans übernommen, da man sich an Demonstrationen gegen die Atomkraft und den Rassismus beteiligen wollte. Mit der Formation einer Marching Band wollte man den zu der Zeit noch im Ruhrgebiet ansässigen Spielmannszügen und Knappen-Orchestern eine andere Musik entgegensetzen, denn diese spielten immer noch auf Eins und Drei. Schwarz/rot Atemgold 09, die auch die „Dorfkapelle des Ruhrgebiets“ genannt wird, spielt nicht nur im Ruhrgebiet, sondern auch zwischen Finestère im äußersten Westen Europas und der östlichsten Grenze Europas zu Asien hinter Sankt Petersburg. Schaut man in die Historie der Band, so kann man sehen, dass die Band den Strukturwandel im Ruhrgebiet mit begleitet hat.""

Das Basler "Sicherheitsorchester" ist 1982 entstanden und spielt heute noch: Homepage.
"Mit Vorliebe spielen wir überall dort, wo die Welt ein bisschen sicherer wird: bei Abschaltungen von Atomkraftwerken, auf Klimademos, am Rande von Erster-Mai-Umzügen. Musikalisch bringen wir die ganze Palette von Strassenmusik zum Klingen: eine Portion Italianità gewürzt mit Klezmer und einer Prise Balkansound, abgeschmeckt mit feinem Blues und garniert mit Volksmusik…"

Die 1981 gegründete Londoner Fall out Marching Band von Anfang an aktiv und oft als Gast in Deutschland - gibt es heute noch: auf Facebook
"We are a political street band, on the one hand, an anti-nuclear group who use music as our medium instead of megaphones and leaflets, and on the other, a performing group, who wants to play songs with political messages instead of shrink wrapped love and trendy trivia."

Einige der oben genannten Gruppen existierten nach den "offiziellen" 1980er Jahren in anderen Besetzungen und/oder mit anderen Namen weiter. "Pusteblume bzw. Crescendo Münster" wurde 1989 zum Frank Biermann Sextett. "Die Hysterischen Saxophone" gib es, aber sie haben nichts mit der Linksradikalen Blaskapelle zu tun. Dasselbe gilt für die Spaß-Band "Trotzblech". - In Holland gibt es eine ganze Menge von "Street-Bands", die mehr oder weniger als links-politisch einzuordnen sind. So spielen die De Fanfare van de Eerste Liefdesnacht erklärtermaßen "für eine bessere Welt" oder das Straatorkest Toos (Nachfahre von Nord Holland Straatorkester, die 1982 bereits in Bremen mit dabei waren) sagt: "Das Publikum scheint immer genauso viel Freude an unserer Musik zu haben wie die Musiker selbst."

"Zeitleiste" (1973 über 1985 bis 2026)